Sport? Wir hatten Leibeserziehung

Dass meine weiterführende Schule in Hamburg – sie allein darauf zu dezimieren, grenzt schon an Blasphemie! 😅 – ein recht konservatives Institut war, in dem traditionelle Werte glücklicherweise hoch in Ehren gehalten wurden, steht außer Frage. Dass aber schon meine Grundschule hervorragend in dieses Muster passte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Das ist mir vorgestern beim Aufräumen an einem kleinen Detail aufgefallen, als ich nämlich meine Zeugnisse aus der Istanbuler Grundschulzeit wiederfand …

Der dort genannte Begriff für den Sportunterricht ist nämlich ein Terminus, der schon im deutschen Kaiserreich genutzt wurde, später von den Nazis übernommen und bis weit in die 1960er Jahre hinein verwendet wurde. Doch Kaiserreich und Nachkriegszeit spielten irgendwann keine Rolle mehr, allein die Tatsache, dass die Nationalsozialisten die körperliche Ertüchtigung ihrer Jugend als „Leibeserziehung“ bezeichneten, galt als politische Tretmine. Deshalb taucht dieser Begriff seit den Olympischen Spielen von 1972 in keiner westdeutschen Schule mehr auf. In der DDR sprach man aus ähnlichen Gründen sogar schon seit 1950 von Sportunterricht.

Wenn also in meinem Grundschulzeugnis von 1977/78, sprich gute 5 Jahre nach der offiziellen Abschaffung des Schulfaches „Leibeserziehung“ genau das noch drinsteht, dann muss diese Privatschule ja eine geradezu reaktionäre Institution gewesen sein. Indes … Dass ich keine Sportskanone bin, ist damals wohl noch niemandem aufgefallen 😅