

Ein 3. Advent mit Weihnachtsmarkt und Kerzenschein ist ja schön und gut. Aber ich kann so langsam keinen Weihnachtsmarkt mehr sehen und wenn das bei dem fast schon alltäglich gewordenen Nebelgrau möglich sein sollte, ziehe ich Sonnenschein jeder Kranzfunzel vor. Und so ergab es sich, dass mein lieber Sohn und ich heute nach dem Frühstück kurzerhand entschieden, dem Einheitsgrau Süddeutschlands den Rücken zu kehren und wenigstens für einen Tag in die Sonne zu fahren.


Das war gar nicht so leicht, weil im Radius von 300 km rings um Freiburg überall der gleiche, tiefhängende Nebel zu sein schien. Überall? Nein, stopp! Der Walensee war frei. Tatsächlich bilden die hohen Berge dort eine Art Wetterscheide, an der sich die Wolken regelmäßig verziehen, während es fast überall sonst in der Schweiz regnet, stürmt oder schneit. Unsere Bündel waren schnell geschnürt und so sind wir mit einem kurzen Zwischenstopp beim Bäcker in die Ostschweiz gedüst.


215 km lang begleitete uns der gleiche Nebel wie zuhause und mein Sohn bekam schlechte Laune, doch ich konnte ihn beruhigen: „Wart’s ab“, sagte ich, „du wirst sehen, sobald wir über den Bergkamm da vorn kommen, reißt die Wokendecke auf.“ Und genau so kam es. Auf den letzten 5 km klarte es auf, bis wir den Wagen unter einem azurblauen Himmel parkten. Ich kenne den Walensee und seine Wetterspirenzien vom Segeln und wusste daher, dass die positive Wettervorhersage stimmen würde.


Kurz hinter dem Parkplatz wurden wir mit Palmen empfangen und sind dann von Weesen über die Betliserstraße und herrliche Wanderwege bis nach Quinten gelaufen. Dort haben wir ausgiebig gepicknickt und den windstillen Blick über den See genossen. Wir haben sogar im Gras eine kleine Siesta machen können und sind dann mit dem letzten Nachmittagslicht wieder zurückgewandert. Unterwegs ergaben sich viele kluge und wichtige Gespräche, die Söhne nur mit ihren Vätern führen können. Aber er ist auch ein Typ, mit dem man hervorragend schweigen kann, ohne dass es unangenehm wird.


Auf dem Rückweg dauerte es genau 5 km und wir waren wieder von der gleichen Nebelsuppe umgeben, in der wir am Morgen gestartet waren. Aber wir sind der Sonne begegnet und sie hat uns ganze sechs Stunden lang auf den Pelz gebrannt. Was für ein schöner und gelungener 3. Advent! ![]()
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