ich bevorzuge Schach

Während politische Beiträge massenhaft geteilt, kommentiert und recycelt werden (gern mit einem Satz Einleitung), sitze ich da und mache eigenen Content: Texte, Fotos, Videos, Gedanken. Dinge, die mich beschreiben – nicht Parteien, Politiker oder die tagesaktuelle Empörung. Dabei wäre das Posten politischer Shares so viel einfacher.

Die nämlich haben ein paar Eigenschaften, die Segelvideos nicht haben: Sie triggern Identität. Bei politischen Themen denkt man nicht „ich mag das“, sondern „das bin ich“. Soziales Zugehörigkeitsdenken aktiviert viel tiefere Hirnareale. Dass dabei bewusst immer wieder die gleichen moralischen Emotionen erzeugt werden wie Empörung, Überlegenheit, Angst, Bestätigung und dies die stärksten Treiber für Kommentare, Teilen und Gegenreaktionen sind, entgeht den meisten. Aber das soll eigentlich auch keiner merken.

Denn Facebook optimiert im wesentlichen nur eine einzige Sache, nämlich die Verweildauer. Meinungsvielfalt, Bildung, gesellschaftlicher Diskurs … alles nur Nebenprodukte. Denn Werbeeinnahmen – und Facebook lebt von diesen Geldern – errechnen sich mathematisch durch Zeit x Aufmerksamkeit x Vorhersagbarkeit. Je länger man bei einem Beitrag bleibt und je emotionaler man darauf reagiert, desto besser ist das eigene Verhalten vorhersagbar und desto wertvoller ist man damit für den Facebook-Algorithmus.

Politische Shares sind halt billig: Ein Klick, ein Like, ein Kommentar – fertig. Und die meisten, die politische Inhalte posten, glauben tatsächlich, dass sie damit „viele Menschen erreichen“. In Wirklichkeit reden sie immer nur mit denselben Gleichgesinnten in wechselnder Reihenfolge. Echo-Kammer mit Rückkopplung. Und Facebook liebt das, denn die Abonnenten politischer Beiträge sind für den Algorithmus herrlich durchschaubar, sie mit immer neuen Beiträgen zu bombardieren, die ihre Emotionen triggern, ist ein Kinderspiel. Dadurch erhöht sich die Verweildauer und die Werbekasse klingelt im Dauertakt.

Für mich ist dieser ganze Politzirkus ein reiner Bubble-Betrieb: Inhalte werden inzestuös im eigenen Kreis erzeugt, weitergereicht und radikalisiert. Man muss sich nur anschauen, wer da regelmäßig liked und kommentiert. Es sind immer die Gleichen. Und es entsteht gar nichts Neues – nur das permanente Aufwärmen der eigenen Überzeugungen.

Ich bin dafür offenbar schwerer greifbar: keine klaren politischen Schubladen, keine zuverlässig triggernden Themen. Vielleicht werde ich deshalb gefühlt auch weniger mit Werbung zugeschüttet – rein persönliche Wahrnehmung, aber ich nehme das als Bonus.

Kur gesagt:
Ich bleibe lieber beim Schach.
Auch wenn die Slotmaschinen lauter klimpern 😉

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