Räume, in denen sowohl Tages- wie auch Kunstlicht berechnet werden muss, sind für jede Rendersoftware ein Alptraum. Nicht selten stürzt die Software dann einfach mittendrin ab. Ist mir heute auch schon passiert. Aber dann hat mir das Programm doch noch diese wunderbare Ansicht geschenkt.
Diesen Ort gab es in meiner Rekonstruktion natürlich auch schon vorher, jedoch ohne Interieur. Und eben das macht ihn in dieser Ansicht so lebendig. Was wir hier sehen, ist der Schaffensort des Vilicus, also des Villenverwalters, der für die Logistik zuständig war. Täglich trafen neue Waren ein, angefangen bei frischen Fischen aus dem Gardasee, Obst und Gemüse, Salz und Gewürze, Honig, Wein, Olivenöl und Getreide, aber natürlich auch Importwaren aus dem Alpenraum und der Poebene wie Möbel, Keramik und Holzfässer und Schmuck.
All das musste hier notiert und anschließend irgendwo gelagert werden. Auf Ausgrabungen findet man viele Spuren dieser Handelsgüter: Scherben, Nägel, kleine Knochen und Schmuck. Wenn der Fundzusammenhang klar ist, werden diese Stücke in Museen ausgestellt. Doch nur selten gelangt dieses Wissen auch wieder an den Ort zurück, an dem die Artefakte gefunden wurden. Und selbst wenn, dann wird oft nur der unmittelbare Zusammenhang erklärt, aber nicht die dazugehörige Logistik.
Hinter der rechten Wand des Ausgangs seht Ihr, dass sich dort ein parallel verlaufendes Gewölbe befinden muss. Dieser Verbindungsgang führt in den langen Korridor unter der Seeterrasse, wo die Werkstätten, Mahl- und Backstuben, die Küchen und Vorratsräume lagen. Die Waren, die hier an der Rezeption eintrafen, mussten also von hier nach dort gelangen können. Doch das alles von Hand zu tragen, wäre erstens zu schwer gewesen und zweitens zu langwierig.
Deshalb wird man die Güter per Handkarren transportiert haben. Eben solche, wie sie auch hier im Bild zu sehen sind. Die Gänge im Mittelgeschoss durften aber nicht schmaler sein, damit man überall mit den Handkarren durchkam. Und tatsächlich hat der hintere Verbindungsgang exakt die Breite von Handkarrengängen, die wir auch aus Pompeji und Herculaneum kennen. Das ist bestimmt kein Zufall, sondern ein klarer Hinweis auf die antike Logistik dieses Ortes.