Mittelalter trifft MLAT

https://earth.google.com/…/48%C2%B008’44.19“N,+7%C2…

Wenn Ihr aus dem oben verlinkten Satellitenbild ein wenig herauszoomt, erkennt Ihr das ehemalige Gelände des Klosters Tennenbach. Viel ist davon nicht mehr übrig. Eine kleine mittelalterliche Marienkapelle, das barocke Gasthaus „Zum Engel“ – und das war’s im Wesentlichen schon. Der Rest wurde Stein für Stein abgetragen und ebenso verkauft wie das dazugehörige Land. Selbst die einstige Klosterkirche wurde nach Freiburg versetzt, dort originalgetreu wiederaufgebaut – und im Zweiten Weltkrieg erneut zerstört.

Was heute im Tennenbacher Tal bei Emmendingen sichtbar ist, sind im Grunde nur noch Spuren. Archäologische Echos einer Zisterzienserabtei, die einst die Landschaft prägte.

Beim Sammeln von Bild- und topographischen Daten für mein neues CAD-Projekt – ich plane eine digitale Rekonstruktion der mittelalterlichen und barocken Anlage – fiel mir auf dem Google Earth Satellitenbild vom 20. September 2025 ein winziges Detail ins Auge: ein kleines Flugzeug, eingefroren über dem Wald.

Und solche Details reizen ja meine archäologisch-kriminalistische Ader. 😅 Die Frage lag nahe: Lässt sich allein über das bekannte Aufnahmedatum eines Satellitenbildes herausfinden, welches Flugzeug das war? Mit Flugnummer, Route, vielleicht sogar Betreiber?

Die Kurz-Antwort lautet: Ja.

Die etwas längere: Ja – wenn man bereit ist, sich ein wenig detektivisch zu betätigen.

Der methodische Weg führt über ADS-B Exchange. Dort kann man im „Replay“-Modus ein beliebiges Datum und eine Uhrzeit einstellen und sich sämtliche Flugbewegungen über einer Region anzeigen lassen – vom Airbus in 33.000 Fuß bis zum Ultraleichtflugzeug in Schwarzwaldhöhe. Da der exakte Überflugpunkt durch das Satellitenbild bekannt ist, heißt es: Zeitfenster einstellen, hineinzoomen, Geduld haben – und im richtigen Moment stoppen.

So tauchte sie auf: Die Flugnummer D-MYZA.

Ein Aerostyle Breezer, gestartet in Freiburg, unterwegs auf einer hübschen Rundflugschleife über Breisach, Rust, Herbolzheim, den Hochschwarzwald – und mit einem Überflug über Tennenbach um kurz nach halb zwei Uhr mittags.

Nach ein paar weiteren Klicks landete ich bei der Flugschule Link in Freiburg. Und wer sich die aufgezeichneten Routen auf ADS-B Exchange ansieht, merkt schnell: Diese Maschine fliegt ihre immergleichen Schleife nahezu im Zwei-Stunden-Takt. Das riecht sehr nach einem klassischen Rundflug – Rheinblick, Europapark, Schwarzwaldkante inklusive.

Die in Google Earth angegebene Aufnahmezeit bezieht sich übrigens auf die jeweilige Bildkachel, nicht zwingend auf die Sekunde der tatsächlichen Aufnahme genau über dem Standort. Ein paar Minuten Vor- oder Nachlauf sollte man also einkalkulieren. Aber mit etwas Spielraum lässt sich auch ein solcher Überflug erstaunlich präzise rekonstruieren.

Und so ist aus einem winzigen Punkt auf einem Satellitenbild ein identifizierter Rundflug geworden – mit Kennzeichen, Route und Heimatflugplatz.

Seitdem wirkt das kleine Flugzeug über dem Tennenbacher Tal für mich wie ein modernes Easter-Egg: Ein 21.-Jahrhundert-Rundflug über einer Landschaft, deren mittelalterliche Geschichte ich gerade digital wieder auferstehen lasse.

Zisterzienser unten.

Breezer oben.

Und irgendwo dazwischen ein CAD-Modell in Arbeit.

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