Mein Goldmoment in Tarabya

Ich war in Sport schon immer eine Niete. Einmal jedoch konnte auch ich
einen Sieg feiern, nämlich bei den Bundesjugendspielen 1977 in Istanbul,
bei denen ich eine Goldurkunde in der Leichtathletik-Disziplin Weitwurf
holen konnte. Und dieses Ereignis hat sich nicht nur in meine
Erinnerung eingebrannt, sondern auch in die meines Sportlehrers, weil
ich den Ball nämlich hoch über die Zielmarkierung hinaus, über den
Grundstückszaun und die Uferstraße bis in den Bosporus geschleudert
hatte 😅 Ooops, da war er weg. Meine Urkunde im herrschaftlichen Foyer des Botschafterpalais habe ich trotzdem bekommen.

Die Bundesjugendspiele werden ja seit 1951 von jeder deutschen Schule ausgetragen, im Inland wie im Ausland. Selbstredend, dass auch die Deutschen Schulen in Istanbul diese Tradition hoch in Ehren halten. Allerdings hat keine dieser zentral gelegenen Institutionen eine eigene Grünfläche, die sich zur Ausführung leichtathletischer Übungen eignen würde. Deshalb finden die Bundesjugendspiele in Istanbul alljährlich in der Parkanlage der historischen Sommerresidenz von Tarabya statt.

Der Park der Deutschen Botschafter-Residenz ist riesig, 18 Hektar groß und das Grundstück liegt gut geschützt zwischen zwei Hügeln des europäischen Bosporus-Ufers. Ruhig und idyllisch ist es dort, gepflegte Grünflächen, Blumen und ein ausgedehnter Wald. Weiter oben befindet sich ein Deutscher Soldatenfriedhof für die Gefallenen der beiden Weltkriege, vor allem die der Dardanellen-Schlacht von 1915.

An die Bundesjugendspiele selbst habe ich außer dieser einen Begebenheit kaum eine Erinnerung. An die majestätische Ruhe, die von den weißen Gebäuden und dem gepflegten Park in Tarabya ausging, hingegen schon. Im Mittelalter verbannte man hierher die Pestkranken und nannte den Ort Pharmakeia, den „vergifteten Ort“, an dem keiner wohnen sollte. Nachdem viele der dorthin Verbannten jedoch nicht starben, sondern wieder gesund wurden, benannte man den Ort um in Therapeia, also den „Ort der Genesung oder Heilung“. Aus Therapeia wurde Terapia, dann Tarapia und schließlich Tarabya. Heute wird die Sommerresidenz der Deutschen Botschaft neben den Bundesjugendspielen auch für viele Veranstaltungen, Konzerte und die Förderung deutscher und türkischer Künstler genutzt.