
Wer Kinder hat, wird ihn kennen, den berühmten Sockengeist, der in fast jedem Familienhaushalt lebt und es dauernd schafft, auf unerklärliche Weise Socken und Strümpfe verschwinden zu lassen. Sein bester Kumpel heißt übrigens „Daswarichnichtdaswarschonso“, und im Doppelpack sind die beiden unschlagbar! Doch wenn der Sockengeist allein unterwegs ist, schleicht er sich gern auch mal in Privathaushalte und treibt dort mit geübter Hand sein Unwesen.
Bei mir ist er neuerdings auch auf den Geschmack frisch gewaschener Unterwäsche gekommen. Seit einem halben Jahr vermisse ich ein gutes Dutzend Strümpfe und Unterhosen – die ich mir natürlich längst nachgekauft habe. Aber es ist zum Verrücktwerden! Seitdem mir das Verschwinden zum ersten Mal aufgefallen war, habe ich meine Wohnung bestimmt schon 10 mal umgekrempelt. Ohne Erfolg. Es ist fast so wie mit dem berühmten Handy im Kühlschrank.
Man ist nicht gut drauf und räumt – wozu man noch nie wirklich Lust hatte – seine Einkäufe weg, und dann klingelt plötzlich das Handy. Man geht ran, telefoniert widerwillig und erst Stunden später fällt einem auf, dass das Handy weg ist. Futsch! Verdampft. Man sucht und sucht und stellt alles auf den Kopf, bis die Angst vor der Demenz schmerzhaft an einem zu nagen beginnt. Und auf die Idee, einfach mal im Kühlschrank zu suchen, kommt man ja als normal denkender Mensch erst mal nicht.
Doch ab und an schenkt einem das Schicksal auch das unverschämte Glück, den Sockengeist inflagranti zu erwischen, wenn er mal wieder versucht, seine Beute zu verstecken: So ging es mir gestern, als ich den rechten Sitz der Rückbank meines Autos zurückklappen wollte, um etwas aus dem Baumarkt zu transportieren. Der Sitz klemmte, weil irgendetwas das Zurückklappen blockierte. Nach einer Viertelstunde ärgerlichen Hin- und Herruckelns hatte ich es endlich geschafft, den Sitz von seiner Bremse zu lösen.
Und was war es? Ein Jutebeutel mit 5 T-Shirts, einer kurzen Hose, 12 Unterhosen und 10 Strümpfen! Meiner anfänglichen Verwunderung folgte kurz darauf die Erinnerung daran, dass ich seinen Inhalt kurz vor meinem Skandinavien-Urlaub im Packstress aus dem Wäschetrockner genommen und in diesen Beutel gepackt hatte, um ihn später in meinem Koffer zu verstauen. Doch dazu kam es dann offenbar nicht mehr. Und ich glaubte damals allen Ernstes, dass mich der Sockengeist jetzt schon auf meine Reisen begleite.
Aber es hat auch etwas Gutes: Dank des Sockengeistes Missgeschick könnte ich jetzt meine Unterwäsche und Socken dreimal täglich wechseln, was natürlich kein Mensch macht. Doch allein die Möglichkeit dazu vermittelt einem das schöne Gefühl von Wohlstand und Unabhängigkeit.